Thuner Tagblatt 13. 7. 2017

Lecker(li)bissen aus Basel

Die Basler Madrigalisten unter der Leitung von Raphael Immoos in der Stadtkirche Thun.

THUN Übers Baselland in den Kanton Aargau nach Zürich, Thun und in die Innerschweiz: An der Sommerakademie beglückten die Basler Madrigalisten in der Stadtkirche mit einem Querschnitt deutschschweizerischen Vokalschaffens des 20. Jahrhunderts.

Der Verein Sommerakademie Thun lädt erneut zum Singen, Hören und Lernen ein. Während einer Woche studiert der 120-köpfige Akademiechor mit Bernhard Scheidegger Joseph Haydns «O coelitum beati» und «Missa solemnis in B» (Schöpfungsmesse) ein. Der Dirigierkurs wird vom künstlerischen Leiter der Sommerakademie, Raphael Immoos, durchgeführt. Sechs teilnehmende Dirigentinnen und Dirigenten aus der ganzen Schweiz nutzen die Gelegenheit, sich dem bekannten Chorwerk zu widmen. Das Abschlusskonzert von morgen Freitag, 19.30 Uhr, in der Stadtkirche Thun wird von den Kursteilnehmern geleitet.

Huber, Suter, Moser, Schoeck

Am Dienstagabend konnten die Teilnehmenden der Sommerakademie eine Pause einschalten. Es galt, zurückzulehnen und die musikalischen Lecker(li)bissen – wie sie ihr Leiter Raphael Immoos schmunzelnd nannte – der Basler Madrigalisten in vollen Zügen zu geniessen. In gut verständlicher Art, in Innerschweizerdialekt, führte Immoos, der auch künstlerischer Leiter und Dirigentenkursleiter der Sommerakademie ist, durch das Programm. Unter den 12 professionellen Sängerinnen und Sängern der Basler Madrigalisten wirkte in Thun das Solistenquartett der Sommerakademie (Daniela Eaton, Sopran; Barbara Erni, Alt; Eelke van Koot, Tenor, und Tiago Mota, Bass) mit.

In einem Querschnitt des Vokalschaffens in der Deutschschweiz des 20. Jahrhunderts kamen selten bis nie gehörte Werke zur Aufführung. Die musikalische Reise rückte Rudolf Moser sowie seine Lehrer und Zeitgenossen Hans Huber, Hermann Suter und Josef Lauber ins richtige Licht. Die Kunstlieder führten übers Baselland hinaus in den Kanton Aargau, nach Zürich, Bern, Thun und in die Innerschweiz.

Alle Werke wurden a cappella vorgetragen. Einmal wirkten die 12 lupenreinen Stimmen wie schwebend, verträumt aus der Ferne hallend, ein anderes Mal wie zart klingende Instrumente. Die Raritäten der Chormusik liessen aufhorchen. Sie kamen erquickend frisch, lebendig und vom leisesten Piano bis ins Forte zum Tragen.

Farbig, schräg und schalkhaft

Die wohltuenden Melodien verblüfften. Beim titelgebenden «Die Quelle» von Rudolf Moser verteilten sich drei Vokalquartette für eine spezielle Färbung in der Kirche. Ideal woben die Madrigalisten schräge Klänge in Albert Möschingers Vergänglichkeit ein – oder Zwölftonmusik im schwierigsten Lied des Abends, «Firnelicht» des innovativen Komponisten Benno Ammann.

Zum Schmunzeln brachten drei seiner fünf Volkslieder, die mit entsprechender Gestik und leicht szenisch vorgetragen wurden. Auch Leiter Immoos liebt Spassiges und ist mit Volksmusik verbunden – er sagt: «Volksmusik ist unsere Seele.» Zum Abschluss beglückten die Mitwirkenden mit einer Uraufführung von drei Innerschweizer Volksliedern mit bestehendem Charakter, nur ein wenig schräg, unterhaltsam und schalkhaft umsungen. Zum Abschluss erklang Hermann Suters «Abendsegen».

Heidy Mumenthaler

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